Josef Taucher. Zeichnung. Drawing.


Zeichner mit Stahlfeder und Tusche.


   Josef Taucher ist seit Jahrzehnten – neben seiner Tätigkeit als Maler – ausgerüstet mit Zeichenblock, Spitzfeder und Tusche im Freien unterwegs. Noch nie konnte er, und kann es auch heute nicht, "ausstehen", was in summa als "künstlerische Zeichnung" verstanden wurde und wird (damit gemeint sind etwa übereinander gelegte, unpräzise, unscharfe, mit möglichst dickem Graphitstift gezogene Linien; verschmiert, verwischt, schlampig ausgeführt, ...)

Ergo wählte er schon früh Stahlfeder und Tusche, denn dieses Zeichenwerkzeug erlaubt keinerlei Unschärfe.

Beide Extreme, die kaum biegsame Stahlfeder und das weiche Papier, fordern ihn, da scheinbar unvereinbar, heraus. Mit der Feder lässt er eine dreidimensionale Raumwirkung ausschließlich mithilfe von zarten, filigranen Linien entstehen. Auf den Blättern existieren keine Grauabstufungen, niemals werden von ihm Schraffuren oder analoge zeichnerische Methoden eingesetzt. Auf den größtenteils im Freien entstandenen Zeichnungen hält er das innerhalb des Blickfeldes Vorhandene kompromisslos fest. Das können Landschaften, Berge, Wolken, Häuser, Pflanzen, Tiere, Gegenstände, Menschen sein. Den Bildausschnitt macht er vorab mittels eines Rahmens fest. Gezeichnet wird ohne zu selektieren und ohne Gewichtung. Dabei setzt er einzelne, ausgewählte Objekte in den Raum, in eine nicht ausgeführte respektive lediglich angedeutete Umgebung. Als Zeichner begibt sich Taucher in einen direkten Dialog mit der Natur und bringt auf Papier, was ihm diese für den Moment abverlangt. Kann sein er reduziert sein gewähltes Motiv auf einige wenige abstrakt erscheinende Umrisslinien, kann sein, er erfasst jede Facette ja sogar jedes noch so winzige Detail. Auf keinen Fall gibt er dazu, was nicht erkennbar ist.

Die Zeichnungen sind weder Vorstudien zu Gemälden noch sind diese als naturgetreues Abbild (ebenso wenig wie in der Malerei von Taucher) zu lesen, vielmehr als völlig eigenständiges Werk zu verstehen.