Josef Taucher. Malerei. Text.


Josef Taucher | Es regnet Affen.

Über Kunst, Wissenschaft, Krämerseelen, ...



   Kunst, wie sich der Kleine Maxi vorstellt, ist momentan nicht machbar. Beinahe alle Arbeiten in dieser Richtung, wie Junge Wilde usw. ... leiden an Sinnlosigkeit oder Sentimentalität. Ich nenne dies "Pinocciotismus", d.h. synthetische Vitalität. Wenn schon keine Sinnhaftigkeit erkennbar ist, muss Leben wenigstens durch viel Bewegung vorgetäuscht werden. Die Idee, die Bewegung (dem Menschen sichtbare Bewegung) mit Leben gleichsetzt, wird produziert. Deshalb ist auch der Dieselmotor krank, wenn er stottert. Die Dancefloor-Szene ist ein weiteres Beispiel. Musik ist ein Kochrezept. Eine Prise Rapp, 10 Gramm Gregorianische Choräle, eine Prise Rock usw. Der DJ als Künstler, Mozart > Beethoven > Orff > Hendrix. Galeristen als Künstler, Michelangelo > Rembrandt > Klee > Taucher. Dies führt zur völligen Unglaubwürdigkeit. Kunst spielt überhaupt keine Rolle bei den Entscheidungen im täglichen Leben. Bestenfalls wird sie gebraucht und missbraucht zur Desorientierung, Ablenkung und Steuerung der Menschen. Einige sektiererische Kreise ausgenommen.

Derartige "Kunst" besitzt keine innere Notwendigkeit und ist nicht Ausfluss des Lebens.

In diesem Dilemma verfallen viele Künstler den sogenannten "Neuen Medien". Sie hoffen im Umgang mit diesen den Anschluss an das aktuelle Leben wiederzufinden.

Sie produzieren "alte" Kunst mit Hilfe der Elektronik. Es wird versucht, Errungenschaften der Malerei, des Films u. dgl. mittels der neuen Medien zu kopieren (Computeranimation usf.). Dadurch wird die Situation noch peinlicher.

Diese Versuche vergrößern den Abstand noch mehr und machen den Künstler bereits lächerlich.  Er gerät in die komische Rolle eines Neandertalers mit Mikrowellenherd. Es muss der pfaffenhafte Standpunkt der Erleuchtung und des direkten Drahtes zu Gott aufgegeben werden.

Die Zweiteilung in Künstler und Wissenschaftler ist ungültig. Diese Idee, von Krämerseelen erfunden, war für da Vinci, Bernini, usf. kein Problem.

Die heutige Wissenschaft scheint ohne Künstler auszukommen. Die Künstler ohne Wissenschaftler nicht mehr.

Er darf sich des Forschers nicht bedienen, da er sonst bedient wird. Der Künstler muss lernen ein gleichwertiger Partner zu werden. Der Künstler muss eine Sprache entwickeln, mit der er sich mit der Wissenschaft verständigen kann. Dann ist es möglich, gemeinsam etwas Neues zu finden.

 

Josef Taucher: Es reicht mir völlig, möglicherweise der Affe irgendeines Gottes zu sein. In: Das Buch zur Museumswelt, Steirische Kulturinitiative (Hg.), Leykam Buchverlag Graz 1991, ISBN 3-7011-7245-5, 368 S. (hier S. 209-212); Interview Josef Taucher/Heimo Ranzenbacher ebd. S. 227-232. – "Es regnet Affen" war Titel eines Museumsprojekts von Josef Taucher, Johanneskapelle Pürgg, 1991-1992 / Kunst im Öffentlichen Raum: Vitrine, Videoband 12'.